Welche Gräser gehören auf eine Pferdeweide – Fakten statt Marketing 19Mär
Wissenswertes

Welche Gräser gehören auf eine Pferdeweide – Fakten statt Marketing

🌱 Welche Gräser gehören auf eine Pferdeweide?

Ein gut gepflegter Weidebestand ist die Grundlage für eine gesunde Pferdeversorgung. Pferde fressen Gras sehr kurz ab, deshalb beeinflusst das die Auswahl der Grassorten, die sich langfristig in der Weide etablieren können. Viele Standardweiden in Deutschland bestehen aus Mischungen wie BG11, die für Rindvieh optimiert sind. Diese enthalten hohe Anteile moderner englischer Raygräser, die schnell wachsen und Zuckerwerte (Fruktane) bilden können – für Pferde im Überschuss nicht ideal. 🐴

🌱 1. Die Basis: verschiedene Grasarten

Für Pferdeweiden werden häufig Mischungen empfohlen, die unterschiedliche Wachstumsarten kombinieren:

  • Timothy (Phleum pratense): traditionell pferdegerecht, mittlerer Energie- und Zuckeranteil → gut verträglich (ker.com)
  • Rotschwingel & Wiesenrispengras: strukturreich, bilden dichte Narben, weniger Zucker/Fruktane
  • Englisches Raygras (Lolium perenne, z. B. Cadans, Orantas, Boulevard, Bizet): robust, regeneriert schnell, gehört zu den C3-Gräsern – also Arten, die besonders bei kühlen Temperaturen aktiv wachsen. Unter diesen Bedingungen kann Zucker/Fruktan gespeichert werden, was bei empfindlichen Pferden den Stoffwechsel belasten kann.
  • Kräuter: Bockshornklee, Petersilie, Wilde Möhre, Ruchgras, Spitzwegerich – steigern Artenvielfalt, Geschmack und Vitalität

🌱 2. Fruktane & Pferdegesundheit

Fruktane sind Zuckerketten, die in C3-Gräsern gespeichert werden. Zu hohe Mengen können im Dickdarm von Pferden die Mikroflora beeinflussen und bei empfindlichen Pferden zu Stoffwechselstress oder erhöhtem Rehe-Risiko beitragen. (pchorse.se)

Es gibt keine eindeutigen Studien, die belegen, dass bestimmte Gräser Rehe verursachen oder verhindern. Der Schlüssel ist eine ausgewogene Mischung und angepasstes Weidemanagement.

🌱 3. Raygras in Pferdeweiden – sachlich bewertet

Raygras hat viele Vorteile:

  • schnelle Etablierung
  • robuste Bestände
  • gute Regeneration nach Beweidung

Gleichzeitig kann es höhere Zucker- und Fruktanwerte bilden. Deshalb empfehlen Experten, Raygras in Mischungen mit strukturreichen Arten wie Rotschwingel, Timothy und Kräutern zu kombinieren. So entsteht eine robuste, dichte Weide, die für Pferde verträglicher ist.

🌱 4. Tipps für Aussaat und Pflege

  • Pferdeweiden können von April bis September eingesät werden; heiße Sommermonate sind weniger geeignet.
  • Empfohlene Saatmenge: 45–60 kg/ha. Bei breitwürfiger Aussaat oder sehr kleinen Parzellen ca. 60 kg/ha.
  • Pavo GrassSeed sollte idealerweise von einem landwirtschaftlichen Experten eingesät werden, der die Bodenbedingungen kennt.
  • Über- oder Durchsaat: offene Stellen durch Geilstellen, Maulwurfshügel oder Frostschäden mit 20–30 kg/ha neu einsäen. Vorher das Gras mähen, Boden lockern (Egge, Schleppe, Rechen), Saat aussäen und anschließend walzen.
  • Beste Zeit für Durchsaat: Februar–März und Mitte August–Mitte Oktober.

🌱 5. Fazit

Eine pferdegerechte Weidemischung enthält verschiedene Grasarten mit unterschiedlichen Wachstumsarten (C3-Gräser) und Kräutern. Raygras kann Teil einer gesunden Mischung sein, sollte jedoch zusammen mit strukturreichen Arten eingesetzt werden. Vielfalt, angepasste Pflege und regelmäßige Weidekontrolle sind entscheidend für eine stabile, gesunde Grasnarbe.